Beste Bildung

Für Lebensqualität und Wohlstand

Bildung ist die soziale Frage der Zukunft. Der Zugang zum Arbeitsmarkt wird über das Bildungssystem entschieden. Ein erfolgreiches Bildungssystem ist die beste Armutsbekämpfung. Die beste präventive Sozialpolitik ist daher die Bildungspolitik. Nacheilende Programme sind teuer und ineffektiv. Wer gut ausgebildet ist, verdient nicht nur mehr, sondern lebt länger und gesünder – und hat bessere Chancen, nach einem Scheitern wieder auf die Beine zu kommen. Österreich kann daher gar nicht genug gut ausgebildete junge Menschen haben – aus sozialen wie wirtschaftlichen Gründen. Ohne mehr und bessere Bildung sind die großen Ziele der Zukunft nicht zu erreichen: Wohlstand und gesellschaftlicher Zusammenhalt.

Jede und jeder soll Talente, Fähigkeiten und Begabungen optimal entfalten und verwirklichen können. Österreich braucht ein Mindestmaß an Bildung und Ausbildung zum besseren Start in ein selbständiges Leben ohne lebenslange Sozialtransfers. Statt in Zuständigkeiten zu verharren, wollen wir in Verantwortlichkeiten – zwischen Bund, Ländern und Gemeinden, zwischen Eltern, Schulen und Zivilgesellschaft – denken.

Chancengerechtigkeit heißt vor allem Bildungsgerechtigkeit. Ein einmal eingeschlagener Weg in einer Berufsbiografie darf nicht zur Sackgasse werden. Unser Ziel ist daher mehr Durchlässigkeit im gesamten Bildungssystem, vom nachholenden Erwerb eines ersten allgemeinen Schulabschlusses bis zur hochqualifizierten berufsbegleitenden Weiterbildung. Damit sich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus eigenen Kräften auf dem Arbeitsmarkt bewähren können, muss alles getan werden, um sie ausreichend zu qualifizieren.

Drittelfinanzierung für Meisterkurse

Dass eine große Zahl der arbeitenden Menschen durch ihre Steuerleistungen kostenlose Hochschulstudien für eine kleinere Zahl an Studierenden Hochschulstudie voll ausfinanziert, ist nicht fair. Dass Meisterkurse und Meisterprüfungen im Gegensatz zu einem Hochschulabschluss allein durch die Kandidatin oder den Kandidaten bezahlt werden müssen, ist gesellschafts- und bildungspolitisch nicht zu verantworten.

Die Kosten der Ausbildung zur Meisterin oder zum Meister sind unterschiedlich hoch. Will sich eine Facharbeiterin oder ein Facharbeiter weiterbilden, kann von einer uneingeschränkten Zugänglichkeit keine Rede sein. Diese Schieflage muss durch geförderte Vorbereitungskurse zur Meisterprüfung beseitigt werden.

Ein Drittel der Kosten der Ausbildung zur Meisterin oder zum Meister soll durch die öffentliche Hand, vom Bund, übernommen werden. Diese Teilfinanzierung sollte durch eine pauschale Zahlung bei Prüfungserfolg an die Auszubildende oder den Auszubildenden geregelt werden. Dabei soll ein Drittel des von der Behörde im Vorfeld zu errechnenden Kostendurchschnitts der gewählten Ausbildung an die Absolventin oder den Absolventen ausbezahlt werden. In die Basis der Berechnung sollen dabei Vorbereitungskurse, Prüfungstaxen und kalkulatorische Kosten für Materialien berücksichtigt werden. Daneben sollen Anreize zum Besuch von Befähigungsprüfungen und Zusatzmodulen im selben Ausmaß geschaffen werden.

Die Übernahme eines Teils der Kosten der Ausbildung zum Meister ist eine Frage der Ehrlichkeit im Umgang mit den verschiedenen Ausbildungswegen junger Menschen in Österreich. Die Drittelfinanzierung aus der öffentlichen Hand, also aus Steuermitteln, ist gut investiertes Geld für die Zukunft unseres Landes.

Mit dem Meister zum Master

Wollen junge Menschen, die bereits eine Meisterprüfung absolviert haben, ein Studium beginnen, erwartet sie eine weitere Hürde: die Berufsreifeprüfung. Um auch hier eine bessere Durchlässigkeit des Bildungssystems und eine Aufwertung des Meisters zu gewährleisten, muss eine Meisterprüfung ebenso wie die Matura zum Studium an einer Hochschule berechtigen.

Wer die Meisterprüfung erfolgreich abgeschlossen hat, soll zukünftig ohne Berufsreifeprüfung ein fachlich einschlägiges Studium beginnen können. Damit würde das Ansehen der Fachkräfte, der Facharbeiterinnen und Facharbeiter, weiter gesteigert und der Anreiz, eine Lehre zu absolvieren, weiter erhöht.

Studienbeiträge

Umfragen zufolge sind 64 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher für die Wiedereinführung von Studienbeiträgen. 62 Prozent befürworten Zugangsbeschränkungen. Einerseits brauchen wir Studienbeiträge, um die Universitäten nachhaltig zu finanzieren. Andererseits muss sichergestellt sein, dass es sozial gerechte und treffsichere Studienbeihilfen gibt. Wer es sich leisten kann, soll aktiv zu seiner Ausbildung beitragen. Alle anderen sollen finanziell unterstützt werden. Die Wiedereinführung von Studienbeiträgen gekoppelt mit einem sozial gestaffelten Stipendiensystem ist daher dringend und wichtig.

Ein taugliches Modell dafür wäre jenes, in dem es keine bundesweit verpflichtenden Studienbeiträge gibt, sondern die Universitäten autonom entscheiden, ob und in welcher Höhe Studienbeiträge eingehoben werden. Dabei gilt eine Bandbreite von 0 bis 500 Euro pro Semester. Die Studienbeiträge verbleiben der jeweiligen Universität und bilden ein zusätzliches Budget.

Die Umsetzung dieses Modells mit sozialen Komponenten wäre ein wichtiger Schritt. Entsprechende Regelungen könnten sein: Keine Studienbeiträge bezahlen Studienbeihilfenbezieherinnen und -bezieher; Studierende in Mobilitätsprogrammen; Studierende, die verpflichtende Studien im Ausland absolvieren; Studierende von ausländischen Hochschulen mit Partnerschaftsabkommen; Studierende, die nachweislich mehr als zwei Monate aufgrund von Krankheit, Schwangerschaft oder Kinderbetreuung (bis zum 7. Geburtstag) nicht ihrem Studium nachgehen konnten; Studierende, die eine Behinderung haben (mindestens 50 Prozent laut bundesgesetzlichen Vorschriften) sowie Studierende, die beurlaubt sind. Darüber hinaus sollte die einzelne Universität per Verordnung weiteren Personengruppen den Beitrag erlassen können.

Das Rektorat soll die Möglichkeit bekommen, die Beiträge zu stunden. In diesem Fall sollen Studierende ihre Beiträge erst nach dem Studium bezahlen müssen. Das könnte zwischen dem Rektorat und den Studierenden im Rahmen einer Tilgungsvereinbarung geregelt werden. Zehn Prozent der eingehobenen Studienbeiträge müssten vom Rektorat im Einvernehmen mit der jeweiligen Hochschüler- und Hochschülerinnenschaft zugunsten der Studierenden verwendet werden. Besonderes Augenmerk soll dabei sozial bedürftigen Studierenden gelten.

Schließlich sollte auch die Studienförderung ausgeweitet werden, indem die Einkommensgrenze angehoben und der Kreis der Bezieherinnen und Bezieher ausgeweitet wird. So würden beispielsweise Jungfamilien entlastet und gestärkt. Weitere Verbesserungen sollte es für Studienbeihilfenbezieherinnen und -bezieher durch die Anhebung der Freibeträge bei nicht selbständigen Einkünften und der Absetzbeträge studierender Geschwister geben.

Ausbau der vorschulischen Bildung

Bildung beginnt im Elternhaus und im Kindergarten, also bereits in Kleinkindalter. Neben der Betonung der Elternverantwortung ist es daher entscheidend für die Zukunft der Kinder und damit der Gesellschaft, Kindergärten als vollwertige Bildungseinrichtungen zu definieren und zu entwickeln. Der Kindergarten muss neben der pädagogisch hochwertigen Betreuung auch noch mehr in Richtung konkreter Bildungsinhalte und motivierender Qualifikation gehen – in jeweils kindgerechter und altersadäquater Weise.

Durch den Beschluss, das letzte Kindergartenjahr für alle Kinder gratis zu ermöglichen, wurde wesentlich dazu beigetragen, dass so viele Kinder wie möglich von den Förderungsmaßnahmen profitieren können. Darüber hinaus soll es für Kinder, die es aufgrund ihrer sprachlichen Schwächen brauchen, nicht nur ein Gratis-Kindergartenjahr geben, sondern zwei Gratis-Kindergartenjahre. Je früher die Sprachförderung beginnt, desto eher kann ein erfolgreicher Start im Regelschulwesen gelingen. Kinder mit Aufholbedarf aufgrund von sprachlichen Defiziten – seien es nun Kinder mit oder ohne Migrationshintergrund – bekommen so die Chance, sich in ihrem Heranwachsen durch Bildung und Arbeit etwas aufzubauen. Ein etwaiger Förderbedarf soll durch eine rechtzeitige Sprachstandfeststellung ermittelt werden. Dieser Kindergartenbesuch soll am Vormittag gratis und am Nachmittag sozial gestaffelt kostenpflichtig sein.

 

Neue Kulturtechniken in der Schule berücksichtigen

Neben der Sprache haben sich in den vergangenen Jahren weitere Fertigkeiten herauskristallisiert, die grundlegend für die Chancen von jungen Menschen auf einen guten Einstieg in die Erwerbsarbeit sind. So soll etwa das Erlernen eines kreativen und verantwortungsvollen Umgangs mit Online-Applikationen in die laufende Unterrichtsgestaltung einfließen.

Die rasche Entstehung und Weiterentwicklung der Technologie führt dazu, dass Menschen laufend neue Kenntnisse erwerben müssen, um schnell, genau und zuverlässig arbeiten und kommunizieren zu können. Der technologische Fortschritt ermöglicht immer mehr Menschen einfachen Zugang zu Informationen, Kommunikation und damit zu gesellschaftlicher Teilhabe. Umso wichtiger wird das Wissensmanagement – die Fähigkeit, Information und ihre Quellen einzuschätzen und zu bewerten, richtige Information von falscher zu unterscheiden. Unsere Bildungseinrichtungen müssen ihre Angebote und Inhalte flexibel den sich ändernden Anforderungen anpassen – nicht nur in der Schule, sondern auch im Rahmen von Angeboten der lebensbegleitenden Bildung.

Derzeit startet der EDV-Unterricht meist erst in der siebenten Schulstufe. Um Kinder und Jugendliche bestmöglich vorzubereiten, verlangen wir, dass der Umgang mit dem PC bereits wesentlich früher in die Ausbildung integriert wird. Dazu gehört auch „Maschinenschreiben“, also der kompetente Umgang mit der Tastatur, zumal sich ein späteres Umlernen oftmals als sehr schwierig darstellt.

Wir müssen in diesem Zusammenhang berücksichtigen, dass die Integration EDV-relevanter Inhalte auch der Gewaltprävention dient. Für Kinder und Jugendliche ist in ihrer Freizeit der Umgang mit dem Computer selbstverständlich. Wichtig ist es daher, den richtigen Umgang mit dem Internet zu vermitteln, die Risiken und Chancen aufzuzeigen.

 

„Facebook-Führerschein“ und erweiterte Kulturtechniken für die Lehrpläne

Rund 800 Millionen Menschen sind weltweit bei Facebook registriert. Österreichweit sind es rund 2,7 Millionen Menschen. Diese Menschen nutzen Facebook, um ortsunabhängig mit Familienmitgliedern, Freundinnen und Freunden in Kontakt bleiben zu können, mit alten Bekannten nach längerer Zeit wieder in Kontakt zu treten, ihre Vorlieben zu präsentieren, Gleichgesinnte zu finden sowie sich mit Kolleginnen und Kollegen auszutauschen. Viele Betriebe nutzen Facebook auch für die Personalrekrutierung. Die Plattform kann auch sinnvolle Effekte für den Arbeitsmarkt haben. Schließlich bieten Facebook und andere Social Media Plattformen auch große Chancen der politischen und gesellschaftlichen Beteiligung.

Doch Facebook birgt auch Gefahren, weil Nutzerinnen und Nutzer dort persönliche Daten veröffentlichen. Social Media Plattformen bergen auch eine nicht zu unterschätzende Suchtgefahr. Wie alle Freiheiten brauchen auch die Freiheiten, die Facebook und andere Social Media-Plattformen eröffnen, die entsprechende Verantwortung im Umgang mit diesen Freiheiten. Menschen brauchen daher Wissen nicht nur über die Chancen, sondern auch über die Risiken von Social Media Plattformen. Dieses Wissen muss vermittelt werden, nicht nur im Freundeskreis und in der Familie, sondern auch in der Schule. Neben den Eltern sollten sich daher österreichische Pflichtschulen durch die Aufnahme eines „Facebook-Führerscheins“ in die Lehrpläne darum kümmern, Schülerinnen und Schülern Medienkompetenz zu vermitteln. Beim Lehrstoff geht es aber nicht nur um Facebook, sondern um Social Media-Anwendungen im weitesten Sinn und um andere Kulturtechniken, die Menschen in einer modernen mediatisierten Gesellschaft brauchen.

Lehre als Erfolgsgeschichte mit Zukunft fortschreiben

Das Modell des dualen Systems in der Lehre ist ein Erfolgskonzept und auch für die Zukunft bestens geeignet. Jugendliche, die keine betriebliche Lehrstelle finden, sollen einen Ausbildungsplatz mit einem echten Abschluss bekommen. Darüber hinaus ist auch die Durchlässigkeit im Bildungssystem weiter auszubauen.

 

Image der Lehre verbessern

Die Lehre genießt in unserer Gesellschaft nicht den guten Ruf, der ihr zusteht. Es gilt, einen Umdenkprozess anzustoßen, nicht zuletzt, weil die kommenden Jahre insbesondere hinsichtlich der Bevölkerungsentwicklung große Herausforderungen mit sich bringen. Um die Lehre aufzuwerten, soll einerseits ein wirkungsvoller öffentlich finanzierter Anreiz für die Lehrlingsausbildung sichergestellt werden. Andererseits soll auch das Image der Lehre weiterentwickelt werden, um dafür Sorge zu tragen, dass sich leistungsstarke Jugendliche für eine Lehre entscheiden. Der gesellschaftliche Stellenwert der Facharbeit liegt weit unter ihrer Bedeutung. Auch das Lebenseinkommen ist bei vielen Facharbeiterinnen und Facharbeitern höher als bei Absolventinnen und Absolventen von Hochschulen.

Berufsorientierung sowie die Bildungs- und Berufsberatung müssen intensiviert werden und durch Maßnahmenpakete sehr früh in der Bildungslaufbahn ansetzen, wobei aber Bildung nicht auf Ausbildung reduziert werden darf. Betriebe sollten gezielt Aktionstage veranstalten, bei denen durch einfache, altersgerechte Aufgabenstellungen den Kindern das Tätigkeitsfeld auf interaktive Art und Weise näher gebracht und damit Begeisterung für das Themengebiet vermittelt wird. Weiterführend sollen Schülerinnen und Schüler kurz vor dem Abschluss der Schulpflicht durch die Einführung eines eigenen Unterrichtsgegenstandes der „Berufsorientierung“ über die Vielseitigkeit, Zukunftspotentiale sowie gute Jobaussichten einer Lehrausbildung umfassend informiert werden.

Mindestlehrlingsentschädigung von 500 Euro

Es ist unverständlich, warum es zwar ein gesetzliches Existenzminimum gibt, bei den Lehrlingen nach unten hin jedoch keine Grenzen gesetzt werden. Junge Menschen sollten den Beruf nicht nach der Lehrlingsentschädigung auswählen müssen, sondern nach Talent und Interesse.

Deshalb ist eine Mindestlehrlingsentschädigung von 500 Euro im ersten Lehrjahr ein Gebot der Stunde. So sollen Jugendliche jenen Beruf wählen können, den sie ausüben wollen und das mit weniger Sorgen um das finanzielle Auskommen. Außerdem soll die Arbeit junger Menschen den Stellenwert bekommen, den sie verdient.

 

„Lehre mit Matura“ beibehalten

Das duale Ausbildungssystem hat sich in den vergangenen Jahrzehnten bewährt und als Motor unserer Facharbeit erwiesen. Es ist der ausschlaggebende Faktor, weshalb die österreichische Facharbeit über die Landesgrenzen hinweg einen ausgezeichneten Ruf genießt und sehr gefragt ist. Deshalb muss auch zukünftig an diesem System festgehalten werden.

Die überbetriebliche Lehrausbildung in überbetrieblichen Ausbildungszentren, die als Instrument der aktiven Arbeitsmarktpolitik über das AMS koordiniert und mittels monatlichem Pauschalbetrag pro Jugendlichem finanziert wird, gibt vielen Jugendlichen eine Ausbildungsmöglichkeit und eine geordnete Tagesstruktur. Die überbetriebliche Lehrausbildung darf allerdings nur als Ergänzung und nicht als Ersatz oder Konkurrenz der betrieblichen Lehrstellen eingesetzt werden, um negative Folgewirkungen auf das betriebliche Lehrstellenangebot zu verhindern.

„Lehre und Matura“ stellt eine hervorragende Chance für Jugendliche dar, die praxisorientierte Ausbildungswege suchen. Nach dem Abschluss stehen ihnen sämtliche Wege eines weiterführenden Studiums (Fachhochschule oder Universität) offen.

 

Abschaffung der Lehrlingskündigung

Das Versprechen der Bundessozialpartner, durch eine leichtere Lösbarkeit von Lehrverträgen mehr Lehrstellen zu schaffen, hat nicht die gewünschten Ergebnisse gebracht. Auch nach der Umsetzung des Jugendbeschäftigungspakets im Jahr 2009 werden weniger Lehrstellen angeboten als zuvor. Die erleichterte Kündigung bedeutet für die Lehrlinge und deren Ausbildung eine erhebliche Rechtsunsicherheit. Ein junger Mensch, wenn er nach dem Abschluss des 9. Schuljahres die Lehre beginnt, steht mitten in seiner persönlichen Entwicklung. Daher ist es neben einer Gesamtverantwortung der Gesellschaft auch eine ureigene Verantwortung der Sozialpartner, den jungen Menschen Halt und Perspektive zu geben. Die Lehrlingskündigung ist gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten ein falsches Signal für die dringend benötigten zukünftigen Fachkräfte.

Der bevorstehende akute Facharbeitermangel erfordert, dass alle Anstrengungen darauf ausgerichtet werden müssen, eine Stärkung der dualen Lehrausbildung zu bewirken. Die Lehrlingskündigung wirkt sich kontraproduktiv auf diese Bestrebungen aus. Sie gehört daher ersatzlos abgeschafft.


Internatskostenübernahme für die Berufsschule durch den Betrieb

Bei geblocktem Berufsschulbesuch sind viele der betroffenen Lehrlinge aufgrund der großen Entfernung zwischen Wohnort und der Berufsschule darauf angewiesen, ein Berufsschulinternat in Anspruch zu nehmen. Die Kosten für das Berufsschulinternat für die Dauer von acht Wochen bei einer Fünf-Tage-Schulwoche betragen in Oberösterreich im laufenden Schuljahr 609,60 Euro, pro Monat sind das 304,80 Euro.

Ziel muss es sein, dass kein Lehrling mehr selber die Internatskosten bestreiten muss. Die Kollektivvertragspartner müssen in dieser Frage eine Lösung herbeiführen.

 

Heimfahrtbeihilfe neu regeln

Ein Lehrling, der über das gesamte Lehrjahr die Berufsschule ein oder zwei Mal pro Woche besucht und täglich hin- und zurückfährt, kann diese Wegstrecken mit Öffentlichen Verkehrsmitteln zu einem Selbstbehalt von 19,60 Euro pro Lehrjahr bestreiten.

Ganz anders gestalten sich jedoch die Fahrtkosten mit öffentlichen Verkehrsmitteln für alle Lehrlinge mit geblockter Berufsschulzeit, die am Berufsschulstandort im Internat wohnen und jeweils am Wochenende nach Hause wollen. Sie müssen Einzelfahrkarten zum ermäßigten Jugendtarif lösen und dann rückwirkend um „Heimfahrtbeihilfe“ ansuchen. Die Heimfahrtbeihilfe deckt allerdings nur einen Teil der tatsächlichen Kosten ab, sodass hier Schüler mit geblockter Berufsschulzeit finanziell benachteiligt sind.

Wir wollen daher, dass es auch für Fahrten in das Berufsschulinternat künftig einen Freifahrtsausweis um 19,60 Euro gibt.

Differenzierung und Durchlässigkeit

Das Schulsystem braucht sowohl Differenzierung als auch Durchlässigkeit, um jeder Schülerin und jedem Schüler Einstiegs-, Umstiegs- und Aufstiegsmöglichkeiten, die den Talenten und Interessen entsprechen, zu bieten.

Wir müssen eine größere Durchlässigkeit des Bildungssystems und die individuelle Förderung beim Bestehen von (Teil-)Leistungsschwächen und besonderen Begabungen sicherstellen. Allen Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe I (Schülerinnen und Schülern von Hauptschulen bzw. Neuen Mittelschulen, Kooperativen Mittelschulen und Allgemeinbildenden Höheren Schulen) soll es nicht nur formal jederzeit möglich sein, die Schulart zu wechseln, sondern auch real.

Eine Änderung des Bildungsweges muss zu jedem Zeitpunkt, insbesondere am Ende eines Schuljahres, tatsächlich möglich sein – um dem Leistungsniveau, den Stärken und Schwächen, den Interessen und Neigungen sowie der Lernmotivation der Schülerinnen und Schüler bestmöglich zu entsprechen.

Klassenschüler-Höchstzahlen

Jahre nach Inkrafttreten der Klassenschülerhöchstzahl von 25 für Primarstufe und Sekundarstufe I ist in etwa 40 Prozent der Klassen der AHS-Unterstufen die Klassenschülerhöchstzahl überschritten. Das ist inakzeptabel und zeigt grobe Schwächen des Unterrichtsministeriums bei der Erhaltung des differenzierten Schulsystems.

Die Verkleinerung der Klassengröße darf zudem nicht mit 14 enden. Aufgrund der positiven Auswirkungen der kleineren Klassen auf die Leistungsbereitschaft, den Leistungsstand und die Kompetenzstärkung ist es unbedingt erforderlich, dass die Klassenschülerhöchstzahl eingehalten und ehestmöglich auf die Sekundarstufe II ausgeweitet wird.

 

Mehr politische Bildung im Unterricht 

Eine starke Demokratie bedarf informierter und politisch gebildeter Bürgerinnen und Bürger. Politische Bildung sichert demokratische Strukturen und vermittelt die Befähigung zur Beteiligung. Information ist die Grundlage demokratischen Handelns. Wer informiert und politisch gebildet ist, kann mögliche Konsequenzen, die Entscheidungen mit sich bringen, bewerten und für sich entscheiden.

Junge Menschen haben das Recht auf Mitbestimmung. Dafür verdienen sie konstruktive Begleitung. Nicht nur Jugendliche müssen Politik erlernen, auch jene, die das Wissen darüber vermitteln, müssen aus- und weitergebildet werden. Die Komplexität und Schnelllebigkeit der politischen, sozialen und wirtschaftlichen Strukturen erfordert die Bereitschaft zur stetigen Auseinandersetzung mit diesen Themen.

Politische Bildung muss dabei aber mehr sein als Staatsbürgerkunde und das Kennenlernen politischer Parteien. Im Zeitalter der Wissensgesellschaft, in der eine Vielzahl von Informationen auf alle Menschen – also auch auf Kinder und Jugendliche – einwirken, muss politische Bildung an den Schulen früher einsetzen und darf nicht nur ein einzelner Unterrichtsgegenstand sein, sondern muss in alle Gegenstände einfließen.

 

Nachmittagsangebote ausbauen – Wahlfreiheit sichern

Aus Gründen der Bildungs- und Chancengerechtigkeit, aber auch zur besseren Vereinbarkeit von Familien- und Erwerbsarbeit, ist es notwendig, pädagogisch hochwertige schulische Nachmittagsangebote auszuweiten. Das Ziel ist eine umfassende Förderung der Schülerinnen und Schüler, vom Sport bis zum allfällig notwendigen Nachhilfeunterricht. Unter Einbindung von Eltern, Vereinen und Betrieben sollen die Nachmittagsangebote pädagogisch wertvoll gestaltet werden. Eine warme Mahlzeit pro Tag, mehr Sportangebote sowie gesunde Ernährung sollten Selbstverständlichkeiten werden.

Für die Teilnahme sollte nicht Zwang gelten, sondern Wahlfreiheit. Das bietet den Familien mehr Flexibilität. – Flächendeckende, flexible, bedarfsorientierte Nachmittagsangebote entsprechen auch den flexiblen Arbeitszeiten der Eltern. Deshalb muss es auch möglich

bleiben, nicht nur zu entscheiden, ob eine Teilnahme an Nachmittagsangeboten erfolgt, sondern auch in welchem Ausmaß – also an wie vielen Tagen in der Woche und wie lange.

Zu einer hochwertigen Palette an Nachmittagsangeboten gehören angemessene räumliche Rahmenbedingungen. In diesem Sinne sollten die regionalen Vereine und andere zivilgesellschaftliche Organisationen sowie geeignete Betriebe eingebunden werden, um Kindern und Jugendlichen zusätzliche Möglichkeiten zu bieten – von sportlichen Aktivitäten über musisch-kreatives Engagement bis hin zu wissenschaftliches Interesse weckendem Unterricht.

 

Interventionsmöglichkeiten durch Expertinnen und Experten schaffen

Es ist notwendig, unseren Lehrerinnen und Lehrern mehr Unterstützung zu geben, um Eskalation im Klassenzimmer oder Schulhof vorzubeugen. Dazu braucht es die zusätzliche Einbindung von Expertinnen und Experten aus dem nicht-unterrichtenden Bereich, etwa von Psychologinnen und Psychologen, Psychagoginnen und Psychagogen, Schulärztinnen und Schulärzten, Jugendamt, Exekutive sowie Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter. Dies ist insbesondere notwendig, um rasch und niederschwellig auf unterschiedliche Problembereiche – von Essstörungen und Problemen im Elternhaus bis zu Drogenproblemen – eingehen und entsprechende Unterstützung bieten zu können. Verwaltungsarbeiten sollen an Fachkräfte übertragen werden, damit Pädagoginnen und Pädagogen Raum und Zeit haben, sich ihrer pädagogischen Arbeit zu widmen.

Außerdem ist der schulpsychologische Dienst so umzugestalten, dass die Psychologinnen und Psychologen in ständigem Kontakt mit der Schule stehen und vor allem mit den Lehrerinnen und Lehrern sowie „Peers“ unter den Schülerinnen und Schülern, die verstärkt auf Konfliktpotential in den Schulen achten sollen, zusammenarbeiten. Zusätzlich ist darauf zu achten, dass auch für Lehrerinnen und Lehrer ein ausreichendes Angebot an Mediations- und Beratungsstellen vorhanden ist.

Lehrerin oder Lehrer - mehr als ein Beruf

Lehrerinnen und Lehrer sind wichtige Stützen der Gesellschaft. Durch ihre Arbeit haben sie einen wesentlichen Einfluss auf die Zukunft unseres Landes. Für die Motivation der Lehrerinnen und Lehrer ist die gesellschaftliche Wertschätzung für ihre Leistungen mitentscheidend. Es geht aber auch um die Pädagoginnen und Pädagogen von morgen: Österreich steht vor einer Pensionierungswelle bei den Lehrerinnen und Lehrern: Bis zum Jahr 2025 treten etwa 50 Prozent, also rund 60.000 Lehrerinnen und Lehrer, in den Ruhestand.

Damit sich qualifizierte Nachwuchskräfte für den schönen, aber anstrengenden Beruf der Lehrerin oder des Lehrers interessieren, ist die gesellschaftliche Anerkennung für diesen Beruf wichtig. Darüber hinaus braucht es eine exzellente Ausbildung, sinnvolle Aufnahmeverfahren, Durchlässigkeit von und zum pädagogischen Beruf, bessere Aufstiegsmöglichkeiten und damit Karrierechancen, eine Entlastung von Verwaltungsaufgaben durch geeignetes Verwaltungspersonal sowie die Etablierung einer vielfachen Zahl an Expertinnen und Experten für Tätigkeiten jenseits des Unterrichtens – und damit die Möglichkeit für Lehrerinnen und Lehrer, sich auf ihre Kernaufgabe des Unterrichtens zu konzentrieren. Möglichkeiten des Wissens- und Erfahrungstransfers zur gegenseitigen Unterstützung von Lehrerinnen und Lehrern sollen gegeben sein.

Bachelor im Dienstrecht voll anerkennen

Der Bachelor als akademischer Grad wurde im Zuge der Bologna-Umstellung eingeführt. Bis jetzt ist er jedoch nicht als vollwertiger Abschluss im Beamtendienstrecht verankert. Daran sind vielfältige Konsequenzen geknüpft. Das hat nicht zuletzt Auswirkungen auf das Gehaltsschema des öffentlichen Dienstes. Und der öffentliche Dienst hat auch eine Vorbildwirkung gegenüber anderen Bereichen. Wenn der Bachelor als vollwertiger Abschluss im Beamtendienstrecht verankert ist, wird dieser akademische Grad erfahrungsgemäß sukzessive auch in der Privatwirtschaft anerkannt. Der akademische Grad das Bachelors soll schnellstmöglich im Beamtendienstrecht verankert werden.

ÖAAB Kärnten

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